Schöner Beitrag zum Schluss….

Ein Jahr im schönsten Ehrenamt Sachsens

cw | 05.11.2013
Redakteurin Frau Dr. Carmen Wolodtschenko im Gespräch mit der noch amtierenden Sächsischen Weinkönigin Katja Riedel aus Pirna

Sie sind seit vorigem Jahr Sächsische Weinkönigin. Was haben Sie in diesem Jahr erlebt?

Das Amtsjahr der Sächsischen Weinkönigin wird als das schönste Ehrenamt Sachsens bezeichnet. Nach nun fast einem Jahr Amtsjahr kann ich das aus vollem Herzen bestätigen. Viele Messen, Weinverkostungen, Preisverleihungen und Auftritte auf Festen gaben mir die Möglichkeit, den Sächsischen Wein zum Einen zu präsentieren und zum Anderen den Wein zu leben. Ich bin stolz auf die Leistungen der Winzer, die ich vertrat und wurde durch die hervorragenden Weinqualtäten immer wieder bestätigt. Die Antrittsbesuche bei den Winzern im Elbland werden mir immer unvergesslich bleiben. Bei dem Winzer vor Ort konnte ich viel über Wein lernen, verschiedene Philosophien verstehen und die Winzer mit allen Fragen löchern. Bei meinen Reisen außerhalb des Anbaugebietes habe ich ganz oft bemerkt, dass der Sächsische Wein noch immer mit Vorurteilen behaftet ist. Jedoch konnte ich an vielen Stellen bei einer kleinen Verkostung die Gäste vom Gegenteil überzeugen und sie ins Schwärmen bringen.

Wie viele Termine waren zu absolvieren und was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Bei rund 400 Terminen konnte ich den Sächsischen Wein präsentieren. Viele schöne Termine waren dabei und ich habe viele interessante Menschen kennen gelernt. Besonders in Erinnerung bleiben werden mir die Termine mit meiner Sächsischen Weinprinzessin Christin Lustik. Für mich war das Jahr eine große Ehre und Herausforderung.

Konnten Sie in Ihrem Amt als Weinhoheit neben der Popularisierung des sächsischen Weins auch etwas für die Region, die Sächsische Schweiz, tun?

Bei meiner Wahl stand ich vor der großen Herausforderung, mich als Pirnaerin zu präsentieren. Pirna wurde noch nicht so als klassisches Weinbaugebiet wahr genommen. Bereits vor meiner Amtszeit haben wir den Beginn der Sächsischen Weinstraße, anlässlich ihres 20jährigen Bestehens, mit neuen Schildern gewürdigt. Mir ist es gelungen, Pirna als Beginn der Sächsischen Weinstraße in das Blickfeld der Sächsischen und auch der Deutschen Weinfreunde zu rücken. Als Betriebswirtschaftlerin für Tourismusmanagement liegt es mir natürlich besonders am Herzen, neben dem Sächsischen Wein auch die Region zu vermarkten aus der er kommt. Eine alte Weisheit der Weintrinker besagt, der Wein schmeckt am Besten mit dem Blick auf den Weinberg, auf dem er angebaut wurde.

Das Juni-Hochwasser hat ja besonders die Hotel-und Gaststättenbranche entlang der Elbe betroffen. Auch Ihr Hotel, das Deutsche Haus, wurde stark beschädigt. Wie geht es dort weiter?

Das Hochwassere war leider ein Wermutstropfen in meinem Residenzjahr. Deshalb habe ich mich auch bei Terminen dafür eingesetzt, dass Touristen wieder nach Sachsen, im speziellen in das Elbland und die Sächsische Schweiz kommen. Das Hotel meiner Mutter stand bis zu 1,60 m unter Wasser. Besonders betroffen hat mich gemacht, dass sowohl der Weinkeller als auch unser Weinkellerrestaurant ein Opfer der Fluten wurde. Es geht dennoch wieder gut voran. Das Hotel hat wieder geöffnet und auch das Restaurant lädt wieder ein. Die ersten Weihnachtsreservierungen gehen ein und wir freuen uns über jeden Gast, der uns die Treue gehalten hat und wieder kommt.

Welche Folgen hatte das Hochwasser für den Weinanbau in Sachsen?

Das Hochwasser an sich hat einige Winzer an der Elbe direkt betroffen. Letztlich hatten jedoch nahezu alle Winzer unter dem Junihochwasser zu leiden: So blieben die zahlreichen Touristen aus, die sich in deren Besenwirtschaften sonst immer niederließen, die Vinotheken hatten weniger Umsatz und auch bei Weinbergswanderungen traf man weniger Touristen an. Dies kommt glücklicherweise nun wieder alles ins Rollen. Bei den Weinfesten merkte man von dieser trüben Stimmung nahezu nix mehr. Jedoch hat der dauerhafte Regen im Juni weitere Schäden verursacht. So sind vielerorts die historischen Trockenmauern unter dem dauerhaften Regen eingestürzt. Diese wieder her zu stellen, erfordert hohe Investitionen von den Winzern.  Die sind aber notwendig, prägen hier bei uns die Trockenmauern doch das historische Kulturgut.

Sie hatten sich auch für das Amt der deutschen Weinkönigin beworben. Das hat leider nicht ganz geklappt. Sind sie enttäuscht?

Nein, bei der Wahl zur Sächsischen Weinkönigin, war es mein Wunsch, Sachsen für ein Jahr würdig und voller Engagement zu vertreten. Unsere Region liegt mir sehr am Herzen. Die Wahl zur Deutschen Weinkönigin habe ich vielmehr als Chance gesehen, noch mehr dazu zu lernen. Es ist ein einmaliges Erlebnis als junge Frau solch eine Wahl mit zu machen. Ich kann sagen, dass ich sehr stolz auf das Elbland bin. So konnte ich ohne jeglichen Druck die Wahl genießen. Natürlich stellt man sich selber immer wieder die Frage, was wäre wenn…, aber das ist nun vorbei. Ich freue mich auf die letzten Wochen als Sächsische Weinkönigin und wünsche den frisch gekürten Deutschen Weinhoheiten alles Gute. Die beiden Deutschen Weinprinzessinnen Ramona Diegel und Sabine Wagner werden bei der Wahl meiner in Coswig  dabei sein. Ich freue mich auf das Wiedersehen.

Am 9.  November übergeben Sie ihre Hoheitspflichten an die neue sächsische Weinkönigin. Beraten Sie die Kandidatinnen? Was möchten Sie der neuen Königin mit auf den Weg geben?

Natürlich wünsche ich mir, dass meine Nachfolgerin das Amtsjahr genauso genießen kann, wie ich. Auch weiß ich, auf welche Probleme oder Schwierigkeiten sie stoßen könnte. Sie wird aber alle Unterstützung erhalten, die sie braucht. So denke ich an die Sponsoren, den Vorstand des Weinbauverbandes, Sandy Prüger, unsere Projektkoordinatorin, und hoffentlich auch den zukünftigen Arbeitgeber der Weinhoheit. Zur Vorbereitung gab es einen Kennenlern-Termin, eine Weinstraßenfahrt ein Rhetorik- und ein Sensorikseminar. Bei den ersten Terminen war ich noch dabei.

Zum Abschluss, wie geht es Ihren Weinreben am Schlossberghang? Und was ist Ihr Lieblingswein?

Die Reben wurden am 30. September gelesen. Mit der Qualität und dem Ertrag der Lese bin ich sehr zufrieden, stehen die Reben doch dieses Jahr das erste Mal im Ertrag. Aus den Trauben werden wir für unseren Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke eine Flasche Wein herstellen. Ich persönlich mag gerne einen trockenen Traminer, wenn ich abends zu Hause meinen Feierabend genieße.

 

Im Bild: Katja Riedel bei der Lese des ersten Goldriesling am Pirnaer Schlossberghang. Foto: Förster

 

 

 

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