Sachsens Weinkönigin Juliane Kremtz zieht im SZ-Gespräch eine Bilanz ihrer halben Amtszeit und macht möglichen Nachfolgerinnen Mut.

Mir ist Günther Jauch übern Weg gelaufen.

juliane kremtzAus der Sächsischen Zeitung von Montag 14.06.2011.
Sachsens Weinkönigin Juliane Kremtz (24) ist auch nach einem halben Jahr noch lange nicht amtsmüde. Sie schwärmt für ihr Amt und bereitet sich auf die Wahl der deutschen Weinkönigin vor. Foto: Kahle

Frau Kremtz, Sie haben über 100 Termine als Weinkönigin bereits hinter sich und noch über 100 Termine vor sich. Wird man da nicht langsam amtsmüde?

Nein, überhaupt nicht. Ich bin eher erschrocken, als ich bemerkt habe, dass schon über die Hälfte meiner Zeit herum ist. Das Reizvolle an der Aufgabe als Weinkönigin ist ja der Abwechslungsreichtum. Jüngst ist mir bei einer Messe Günther Jauch über den Weg gelaufen, und ich konnte mit ihm über seine Erfahrungen als Winzer sprechen. Genau so schön ist es, wenn ich bei Besuchen in den Weinbaugemeinschaften merke, wie die Winzer die Nähe der sächsischen Weinmajestäten suchen, wie sie sich unterhalten und austauschen möchten.

Was hat Sie am meisten überrascht in den vergangenen Monaten?

Wie ich es schon angedeutet habe. Mit der Vielfalt an Aufgaben hatte ich nicht gerechnet. Die Weinkönigin wird zum Beispiel auch oft angefragt, Vorworte zu schreiben für Kalender, kleine Bücher oder Broschüren. Da muss man sich dann schon mal einen Abend Zeit nehmen und in sich gehen.

Wie gehen Sie damit um, fast täglich im Rampenlicht zu stehen?

Bei meinem ersten Fernseh-Interview haben mir regelrecht die Beine gezittert. Das hat sich aber mittlerweile gegeben. Man lernt sehr schnell, wie man mit dem Mikro umgehen muss und was der Kameramann erwartet. Mittlerweile ist das fast schon Routine. Und es macht richtig viel Spaß.

Wie arbeiten Sie mit der Wein- und Sektprinzessin zusammen?

Wir sind ein tolles Team. Weinprinzessin Anja Fritz und Sektprinzessin Heike Titze unterstützen mich, wo sie können. Sie gestalten enorm viele Termine mit. Das würde auch gar nicht anders gehen in unserem Jubiläumsjahr 850 Jahre Weinbau in Sachsen.

Was erhoffen Sie sich von der Wahl der deutschen Weinkönigin?

Zugegeben, vor diesem Termin meiner hoheitlichen Laufbahn habe ich enorm viel Respekt. Die anderen Königinnen kommen aus viel größeren Anbaugebieten und meist von eigenen Weinbetrieben. Zudem kennen sie sich untereinander oft noch besser. Daher fällt es schwer, die Konkurrenz einzuschätzen. Ich will mich ordentlich vorbereiten und kämpfen. Doch vor diesem Tag im deutschlandweiten Fokus von Weinfreunden und Presse habe ich doch eine gewisse Achtung.

Ihre wichtigste Aufgabe ist sicher das Präsentieren. Sind Sie ausreichend ausgestattet?

Die Unterstützung durch unsere Sponsoren ist sehr intensiv und eine große Hilfe. Abgesichert sind unsere Ausstattung und das Styling, die kulinarische Versorgung bei Events und die hoheitliche Mobilität. Das beginnt beim Auto vom Mercedes-Autohaus Widmann und geht bis zu dem Weintrauben-Collier, das die sächsische Weinkönigin jetzt bereits mehrere Jahre tragen darf. Die Weinköniginnen aus den anderen Weinanbaugebieten sind mitunter direkt ein bisschen neidisch auf unser Collier. Damit stechen wir auf Fotos hervor.

Sie haben selbst Weinwirtschaft studiert. Muss die Sächsische Weinkönigin denn immer direkt aus der Weinszene kommen?

Das ist sicher von Vorteil, aber keine Voraussetzung. Das Allerwichtigste ist das Interesse für den Wein. Die Mädels sollten sprachgewandt sein und Ausstrahlung mitbringen, die Fakten kann man ja noch lernen. Mit dem Schwalbennest hat die Weinkönigin einen eigenen Weinberg, wo sie die Grundlagen des Handwerks kennenlernen kann. Der Weinbauverband bereitet die Kandidatinnen außerdem sehr gut auf ihr Amt vor. Man wird regelrecht gecoacht.

Sie würden das Amt als Weinkönigin also jederzeit weiter empfehlen?

Ja, natürlich. Ich hatte diesen Traum schon lange, und er ist von Jahr zu Jahr greifbarer geworden. Es ist eine fantastische Chance selbst voranzukommen und sich weiterzubilden. In der vergangenen Woche war ich in der sächsischen Landesvertretung in Berlin bei einem offiziellen Empfang. Dort habe ich Botschafter aus der ganzen Welt getroffen. Diese Gelegenheit kommt nie wieder.

Das Gespräch führte Peter Anderson.

Eingetragen in: Weinhoheiten unterwegs