Keine deutsche Krone für Sachsens Weinkönigin

Sachsens Weinkönigin Juliane Kremtz wurden gute Chancen auf die Krone der Deutschen Weinkönigin ausgerechnet. Doch die Jury entschied anders. Protokoll eines Abends voller Überraschungen.

Die Wahl zur Deutschen Weinkönigin – Das Twitter-Protokoll der Sächsischen Zeitung.

 
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Sachsens Weinkönigin Juliane Kremtz wurden gute Chancen auf die Krone der Deutschen Weinkönigin ausgerechnet. Doch die Jury entschied anders.

Die Sächsische Weinkönigin Juliane Kremtz kommt fertig geschminkt und frisiert aus der Maske. Noch zwei Stunden, bis die Wahl der Deutschen Weinkönigin beginnt. Sie ruft ihre Schwester im vollen Fan-Bus an, der seit dem Morgen aus Meißen anreist.

17:45 Uhr
Juliane Kremtz begrüßt den soeben nahe der Veranstaltungshalle eingetroffenen Fan-Bus in Neustadt an der Weinstraße. Sie freut sich sehr, aber bittet ihre Familie und Freunde: „Drückt mich nicht so toll, damit die Haare nicht kaputt gehen.“

19:20 Uhr
Ein SWR-Mitarbeiter kommt auf die Bühne und ruft die Gäste auf ihre Plätze. Die Gala soll sofort beginnen. „Wir warten auf keinen“, sagt er. Der Saal ist noch weitgehend leer. Aus dem Foyer hallen Trommelwirbel, Sprechchöre und Jubelschreie der Fangruppen, die ihre jeweilige Favoritin vor Ort unterstützen.

19:32 Uhr
Die Gala beginnt. Grußworte, Ansprachen, Danksagungen. Die 62. Deutschen Weinhoheiten halten Rückschau auf das zurückliegende Amtsjahr mit Terminen rund um den Globus. Im Saal wie hinter der Bühne steigt die Spannung auf den Auftritt der sechs Finalistinnen.

20:15 Uhr
Das eigentliche Finale fängt an. Die Veranstaltung wird vom SWR live übertragen. Ein Millionenpublikum verfolgt das Geschehen europaweit am Bildschirm. Fußballstadion-Atmosphäre herrscht, als Moderator Holger Wienpahl die Bühne betritt: ein ohrenbetäubender Mix aus Trommelschlägen, Trompeten, Rasseln, Rufen und Tröten.

20:18 Uhr
Der Moderator bittet alle Bewerberinnen auf die Bühne. Juliane Kremtz trägt ein dunkelpinkfarbenes Coctailkleid, das nur auf der rechten Schulter durch einen Träger gehalten wird. Ihre Haare sind zur Seite gesteckt und fallen, zum Korkenzieher gedreht, vorn über die freie Schulter. Die 23-jährige Meißnerin strahlt.

20:20 Uhr
Die Finalistinnen verlassen gemeinsam die Bühne. Die erste Einzelrunde startet. Jede Bewerberin wird in einem kurzen Einspielfilm vorgestellt und mit einer ersten Frage konfrontiert. Alle Aufgaben im Finale sind spielerisch angelegt. Fachwissen wurde im Vorentscheid vor einer Woche getestet, wobei bereits sieben Kandidatinnen ausgesiebt wurden.

20:50 Uhr
Juliane Kremtz wird zur Einzelrunde auf die Bühne gerufen. Der Einspielfilm zeigt sie unter anderem beim Motorradfahren und beim Fechten, zu dem sie durch ihren Opa gekommen ist. Der Moderator fragt, wo der Opa im Saal sitzt. Der winkt, Juliane grüßt zurück. Sie wirkt locker, scherzt mit Holger Wienpahl. Ihre Aufgabe: Sie soll sagen und begründen, mit welchem Promi sie nach Santiago de Compostela pilgern würde. Claudia Roth, Cindy aus Marzahn, Brad Pitt und der Papst stehen zur Auswahl. Sie entscheidet sich für Brad Pitt, der mit Sicherheit das richtige Schuhwerk dabei hätte und ihr auch ansonsten ein aktiver und interessanter Begleiter wäre.

21:02 Uhr
Los geht’s mit der Teamrunde. Juliane Kremtz bildet gemeinsam mit Elisabeth Born (Königin des Weinanbaugebiets Saale-Unstrut) und Madeleine Yasmin Rossel (Königin des Weinanbaugebiets Rheingau) ein harmonisch wirkendes Dreier-Gespann. Teil eins: Das Team muss einen Wein anhand seiner Aromen identifizieren. Dass es sich um einen Spätburgunder handelt, ist den jungen Frauen sofort klar. Drei Aromen schnuppern und schmecken sie richtig heraus. Auf Leder kommen sie nicht.

21:18 Uhr
Schauspielerische Fähigkeiten sind gefragt beim Pantomime-Spiel: Reihum muss ein Teammitglied mit Händen und Füßen einen Begriff veranschaulichen wie z.B. „Spätlese“. Die beiden anderen müssen ihn schnellstmöglich erraten. Die Lösung ist jeweils ruck zuck gefunden. Abschließend wartet noch ein Wissensquiz. Bei den Flüssen in den Anbaugebieten liegen sie knapp daneben und beim Exportrang der Anbaugebiete.

21:30 Uhr
Das andere Team absolviert alle drei Teile. Bei den Weinaromen scheitern auch sie in einem Fall. Das Pantomime-Spiel scheint ihnen etwas schwierigere Begriffe als der Konkurrenz zu bescheren. Für große Begeisterung im Publikum sorgt Annika Strebel (Weinanbaugebiet Rheinhessen), als sie den gesuchten „Sexuallockstoff“ unkonventionell mit eindeutiger Geste demonstriert. Im Quiz haben die drei zwei Fehler. Damit herrscht Gleichstand zwischen den beiden Teams.

21:51 Uhr
Zum Schluss darf jede Finalistin die Jury noch mal in einer Einzelrunde überzeugen – mit einer kurzen Rede von 45 Sekunden. Jede Anwärterin muss sich auf eine andere Begebenheit einstellen, zum Beispiel eine spezielle Jury-Gruppe ansprechen. Ihre Aufgabenstellung haben alle hinter der Bühne erst kurz zuvor erfahren. Elisabeth Born vom Weinanbaugebiet Saale-Unstrut hat nach den ersten Sätzen ein Black-out, was sie unverkrampft mit einem Lachen hinnimmt und doch wieder den Anschluss findet. Die sprachliche Pointe kommt im D-Zug-Tempo einige Sekunden nach dem Schlussgong.

21:57 Uhr
Juliane Kremtz soll die Juroren aus Franken für sich gewinnen. Sie argumentiert mit Fakten, spricht eine klare Sprache ohne Wortspielereien, schafft eine Punktlandung mit dem Schlussgong. Danach wirkt sie erleichtert.

22:00 Uhr
Die rund 80 Juroren im Saal müssen abstimmen. Das geschieht papierfrei über eine Art Fernbedienung, auf der ein Knopf gedrückt wird. Innerhalb weniger Sekunden sind die neue Deutsche Weinkönigin und die beiden Deutschen Weinprinzessinnen gekürt.

22:07 Uhr
„Das Ergebnis war noch nie so knapp wie diesmal“, heißt es auf der Bühne, bevor die Siegernamen verkündet werden. Als Weinprinzessinnen setzen sich Ramona Sturm (vom Weinanbaugebiet Mosel) und Elisabeth Born (vom Weinanbaugebiet Saale-Unstrut) durch. 63. Deutsche Weinkönigin wird … Annika Strebel aus Rheinhessen. Die Sachsen im Saal, Juliane Kremtz‘ Fans, sind geschockt. Die Sächsische Weinkönigin ist leer ausgegangen. Sie gratuliert den frisch gekrönten Wein-Repräsentantinnen. Dann wird sie von den angereisten Angehörigen und Freunden getröstet. Wenig später gibt sie erste Interviews.

22:12 Uhr
Die Veranstaltung ist zu Ende. Die Mainzer Jurorin Gisela Kirschstein zur Entscheidung: „Ich bin selbst überrascht über das Ergebnis. Die Sächsin war für mich ganz weit vorn. Ich kann es mir nur so erklären, dass die letzte Rede ausschlaggebend war, weil ihr da Wortwitz fehlte.“ Der Sächsische Weinverbandschef Bernd Kastler sagt: „Ich hätte sie in jedem Fall unter den ersten drei gesehen. Das sind subjektive Faktoren, die eine Rolle gespielt haben.“ Juliane Kremtz setzt sich einen Strohhut mit Sachsen-Bändchen auf und stößt mit den anderen an: „Es wäre schön gewesen“, gesteht sie. „Aber ich wusste, dass ich drei harte Konkurrentinnen habe. Ich werde mir noch mal ansehen, ob die anderen mehr Pfiff oder mehr Glück hatten.“

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Eingetragen in: Weinhoheiten unterwegs