Bis zu 250 Jahre alt: Sachsen hat echte „Wein-Methusalems“

Der älteste Traminer Sachsens wächst in der Klosterruine „Zum heiligen Kreuz“ in Meißen und ist 150 Jahre alt! Weitere Forschungen entdeckten in Seußlitz die „Große blaue Urbanitraube“, ebenfalls 150 Jahre alt und zudem die einzige Rebe dieser Sorte, die nördlich der Alpen wächst. Mit 250 Jahren ist die „Frühe Leipziger“ die älteste Rebe Sachsens. Sie wächst in Radebeul in der Weinberglage „Goldener Wagen“.

„Die Pflege des alten Kulturgutes ‚Weinpflanzen mit sehr hohem Alter’ rückt seit einigen Jahren in Sachsen immer mehr in das öffentliche Bewusstsein. Es ist ein Teil unserer Weingeschichte, die auch heute noch lebt“, erläutert Dr. Winfried Schulze, Leiter der Arbeitsgruppe „Historische Reben“. Unter „sehr hohem Alter“ versteht man im Anbaugebiet Sachsen Reben, die älter als 150 Jahre sind.

Der mit 150 Jahren älteste Traminer Sachsens wächst in der Klosterruine „Zum Heiligen Kreuz“ in Meißen. „Seit 2005 wird er systematisch gepflegt. Bereits im Jahr 2006 wurden die ersten Trauben geerntet und zu dem historischen Traminer-Wein gekeltert. Er ist eine Rarität, die für besondere Anlässe bereit steht und als Genuss erlebbar wird“, so Schulze.

Forscher entdeckten in Seußlitz die „Große blaue Urbanitraube“, die ebenfalls 150 Jahre alt ist. „Hier wird die geschichtliche Bedeutung noch durch ihre Einzigartigkeit unterstrichen, denn die geografische Lage der Traube setzt uns in Erstaunen. Sie ist die einzige Rebe dieser Sorte, die nördlich der Alpen wächst“, verrät Schulze. Die Trauben der Großen blauen Urbanitraube werden nicht nur gegessen, sondern auch zu einem speziellen Wein gekeltert. „Die Einordnung der beiden Reben in die Geschichte ist besonders spannend, da sich zu dem Zeitpunkt, als die beiden Reben gepflanzt wurden, die Meissener Porzellan-Manufaktur in den Räumen der Albrechtsburg befand“, ergänzt Schulze.

Im Jahr 2009 kam die dritte Rebe in die Öffentlichkeit, die „Frühe Leipziger“. Sie wächst in Radebeul in der Weinberglage „Goldener Wagen“ und hat Schätzungen zufolge stolze 250 Jahre auf dem Buckel! „Auch hier ist der geschichtliche Rückblick spannend, denn zu dieser Zeit der Pflanzung erhielt Johann Wolfgang von Goethe die erste schulische Ausbildung“, so Schulze. Die älteste Rebe Sachsens kann jährlich zum „Tag des offenen Weingutes“ besichtigt werden.
 

Weitere Infos zum Traminer in der Klosterruine „Zum Heiligen Kreuz“ in Meißen

Auf dem Gelände des Meißner Hahnemannzentrums befindet sich ein Rebstock der Sorte Traminer. Es wird eingeschätzt, dass dieser zwischen 1870 und 1880 gepflanzt wurde. Damit ist er einer der ältesten, im bestimmten Anbaugebiet Sachsens vorhandene Weinstock.

Gerd Ulrich, Weinfachmann aus Diesbar-Seußlitz, fand im Rahmen einer etwa einjährigen Studienarbeit zu alten Rebsorten Sachsens heraus, dass es sich bei diesem Rebstock tatsächlich um einen der ältesten Rebstöcke in Sachsen handelt.

Der sog. Älteste Rebstock hat einen Umfang von 65 cm bzw. einen Durchmesser von etwa 20 cm. Die Traminer-Sorte zählt zu den wichtigsten Rebsorten Sachsens. Er wird auf ca. 30 ha im gesamten Weinanbaugebiet angebaut. Bezogen auf die Gesamtrebfläche, weist Sachsen mit dem Anteil von rund 7 % den höchsten Tramineranteil in Deutschland auf.

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Herr Hesse, Vorstandsvorsitzender Weinbauverband Sachsen e.V. im Gespräch mit Herrn Landmann, Hahnemannzentrum Meißen, vor dem Ältestesten Rebstock

Der Standort eines der ältesten Rebstöcke an der Klostermauer in der Klosterruine "Zum Heiligen Kreuz" in Meißen, in dem sich das Hahnemannzentrum befindet, verwundert nicht: Schließlich ging die 800-jährige Weinbautradition in Sachsen von den Klöstern aus. Diese beförderten den Weinanbau, da Messwein für religiöse Rituale benötigt wurde.

Bereits im Jahr 2005 wurde eine Vereinbarung zwischen dem Hahnemannzentrum, als nunmehr rechtlicher Eigentümer des Rebstockes, und dem Weinbauverband Sachsen e.V. unterzeichnet. Die darin enthaltenen Regelungen sichern u.a. den Zugang der Öffentlichkeit zu diesem Zeugnis der Weinbautradition.

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Rebschnitt am 1. Februar 2006 durchgeführt von Weinprinzessin Antje Oehme und Weinpate Steffen Rößler

Für die Unterstützung und Pflege des Rebstockes konnten Weinpaten gefunden werden. Dr. Winfried Schulze und Steffen Rößler haben ihre Bereitschaft dazu erklärt. Dank ihres unermüdlichen Einsatzes konnte gemeinsam mit der Sächsischen Winzergenossenschaft Meißen 2007 wieder ein Wein des ältesten Rebstockes hergestellt werden.

Obwohl der Traminer-Rebstock ein Methusalem ist, prägt ihne eine starke Vitalität. Dadurch war es möglich, einen Traminer-Wein zu keltern. Am 12. Oktober 2006 wurde erstmals wieder eine offizielle Weinlese durchgeführt.

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Foto: Meißner Tageblatt, Fotograf Herr Toralf Grau
Wieder am Ältesten Rebstock aktiv: Weinprinzessin Antje Oehme und Weinpate Steffen Rößler zur Weinlese am 12. Oktober 2006

Bei der Lese wurde ein Zuckergehalt des Mostes von 103 Grad Oechsle gemessen. Bereits bei der Ernte von etwa 30 kg erwarteten die Experten die Herstellung und Abfüllung rund 40 kleiner 0,375 l Flaschen als Rarität.

Ältester Rebstock Sachsens
Standort:
Meißner Hahnemannzentrum,
Leipziger Str. 94, 01662 Meißen
Kontakt: Herr Helge Landmann
Internet: www.hahnemannzentrum-meissen.de

Weinpaten sind/waren:
Dr. Winfried Schulze
Herr Steffen Rößler
Herr Helge Landmann

Informationen

Weinbauverband Sachsen e.V.
Fabrikstraße 16
01662 Meißen
Tel.: 03521/763530
Fax: 03521/763540

info@weinbauverband-sachsen.de
www.weinbauverband-sachsen.de  

Website der Sächsischen Weinhoheiten
www.saechsische-weinkoenigin.de


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